Lesekreis

Zum Lesekreis der Gartenstadtgemeinde treffen sich in Abständen von ca. 6 Wochen an einem Mittwoch Frauen und Männer, die gerne lesen und sich über Literatur austauschen möchten.

Die Beteiligten berichten über ihre Leseerfahrungen sowohl mit Klassikern als auch mit Schriftstellern der Gegenwartsliteratur. Auch Literaturverfilmungen kommen zuweilen zur Sprache.
Im Mittelpunkt eines Literaturabends steht der Gedankenaustausch über ein gemeinsam gelesenes Werk.

Nächster Termin: Mittwoch, 20. September 2017, 20:15 Uhr im Clubraum

Besprochen wird das Buch "Während die Welt schlief" von Susan Abulhawa

Herzliche Einladung an alle Interessierten!

Für Auskunft und weitere Details stehen gerne zur Verfügung:

Brigitte u. Wolfgang Bofinger, Tel. 0711 / 33 52 33

 

 

Lies um zu leben

Wir befinden uns mitten im „Reformationsjahr“ 2017, in dem in unzähligen Veranstaltungen der 500. Wiederkehr von Martin Luthers Thesenanschlag von 1517 als Beginn der Reformation gedacht wird. Auch der Lesekreis hat Grund, dieses Ereignisses zu gedenken, denn in jener Zeit wurde die deutsche Sprache durch Luther so vereinheitlicht, dass niederdeutsche, mitteldeutsche und oberdeutsche Menschen sie alle verstehen konnten. Diese außerordentliche Leistung Luthers hatte in den folgenden Jahrhunderten enormen Einfluss auf die Literatursprache in Deutschland.

Wie kam es dazu?

Wie allgemein bekannt, hat Luther in der Abgeschiedenheit auf der Wartburg 1521 in 11 Wochen das Neue Testament ins Deutsche übertragen. Er hielt sich an die sächsische Kanzleisprache, die ihm für sein Vorhaben geeignet erschien. Denn als Kind lernte er die mitteldeutsche wie auch die niederdeutsche Sprache kennen, da seine Aufenthaltsorte südlich und nördlich der Sprachgrenze lagen.

Mit der Bibelübersetzung - 1534 erschien auch das Alte Testament in deutsch – setzte Luther eine seiner grundlegenden theologischen Erkenntnisse in die Tat um: Ein Christ braucht keinen Heilsverwalter in Form eines Priesters, um sein Seelenheil zu finden. Ein jeder kann sein Heil in der Heiligen Schrift finden, vorausgesetzt, er/sie kann sie lesen und verstehen.

Aus diesem Grunde hat sich Luther sein Leben lang für die Volksbildung eingesetzt und gefordert, dass jede und jeder lesen können sollte. Er selbst hat sich bemüht, den Bibeltext auch Nicht-Theologen verständlich zu machen, indem er für seine Übersetzung „dem Volk aufs Maul geschaut“ hat. So kam es, dass zu Lebzeiten Luthers schätzungsweise ein Fünftel der protestantischen Haushalte eine Bibel in deutscher Sprache besaß, wobei solch ein Buch immerhin etwa so viel kostete wie ein Kalb.

Diese literarische Großtat Martin Luthers war der Anstoß zur Schaffung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache. In den nachfolgenden Jahrhunderten haben große deutsche Literaten von J.W. Goethe bis B. Brecht und Th. Mann diese geniale Leistung Luthers erkannt und anerkannt.

„Lies, um zu leben“ ist zwar kein Zitat Luthers, sondern stammt von dem französischen Schriftsteller Gustave Flaubert. Aber es trifft ganz gut Luthers Situation in der Zeit der Suche nach einem gnädigen Gott. Er schöpfte tatsächlich seine Lebenskraft aus der Bibel, indem er immer wieder diese Texte las und gedanklich durchdrang. So gesehen war das Lesen für ihn Leben,

Wer in Luthers Welt, sein Denken und Fühlen, seine Sprache und Ausdrucksweise ein wenig eindringen will, dem sei eine kleine Textsammlung empfohlen, herausgegeben von Matthias Deuschle, MARTIN LUTHER – Ausgewählte Texte (ISBN 978-3-941628-21-2).

                                                                                                   Wolfgang Bofinger