Die Evangelische Gartenstadtgemeinde Stuttgart – Luginsland

Die Evangelische Gartenstadtgemeinde Stuttgart – Luginsland 

 

Die etwa 1900 Gemeindeglieder der Gartenstadtgemeinde wohnen in einem Siedlungsgebiet oberhalb des Talrandes auf halber Höhe zwischen dem Neckartal und den Weinbergen von Rotenberg und Fellbach. Herzstück des zum Stadtbezirk Untertürkheim gehörenden Stadtteils „Luginsland“ ist die ab 1913 im Stil der englischen Gartenstadtbewegung in genossenschaftlicher Bauweise entstandene Arbeitersiedlung „Gartenstadt“. Gemeinschaftssinn und die Bereitschaft, zum Gesamtwohl einen Beitrag zu leisten, prägten daher von Anfang an die Geschichte des Stadtteils und seiner Kirchengemeinde.

Schon ab 1921 feierten die damals noch zur Kirchengemeinde Untertürkheim gehörenden evang. Gemeindeglieder Gottesdienste in einem Behelfsbau. Das bereits früh betriebene Vorhaben, einen eigenen Versammlungsraum für die stetig wachsende Gemeinde zu bauen, konnte mit der Einweihung der (heute: „alten“) Gartenstadtkirche am 18. Oktober 1931 erfolgreich abgeschlossen werden. Es entstand ein für Gottesdienste und Versammlungen vielseitig nutzbarer und abteilbarer Saal (heute der Gemeindesaal), der durch eine Küche und einen Jugendraum ergänzt wird. Außerdem gehörten von Anfang an Wohnungen für Pfarrer, Mesner und Gemeindeschwester dazu. Die hohen Fenster des Saales und die beiden Glocken im Dachreiter wiesen damals das Haus als Kirchengebäude aus. Heute ist der Dachreiter freilich ohne Glocken: Eine von beiden musste während des Hitlerreiches für Kriegszwecke abgeliefert werden, die andere ergänzt mit ihrem Geläute den Klang der beiden anderen Glocken im Turm der (neuen) Gartenstadtkirche.

Diese ist Bestandteil eines in den 60er Jahren entstandenen großen Gemeindezentrums mit einem zweigruppigen Kindergarten, mit weiteren Räumen für die vielen verschiedenen Gruppen und Kreise der Gemeinde und mit einem modernen Pfarrhaus mit Gemeindebüro. Der Grundstein wurde 1968 gelegt. Es entstand ein weithin sichtbarer Sakralbau, der in schalenförmigen Sichtbetonelementen ausgeführt wurde und im Inneren in einer flachen Halbkreisanordnung 350 Gottesdienstbesuchern Platz gibt. Der Altarbereich mit einem runden Holztisch lädt dazu ein, in Gruppen das Abendmahl miteinander zu feiern oder als Konzertraum für die Untertürkheimer Kantorei genutzt zu werden. An Kunstwerken fallen die farbigen hohen Fenster und Lichtschlitze auf der Ost- und Nordseite der Kirche auf, die das Innere in ein helles und freundliches Licht tauchen. Wärme strahlen die 7 Gemälde im Altarbereich aus, die von dem Künstler Emil Kiess auf Holztafeln ausgeführt wurden. Ein schlichtes Metallkreuz weist auf die Mitte christlichen Glaubens hin: auf die Person Jesu Christi, in dem Gottes ewiges Wort für die ganze Menschheit zum Bruder geworden ist. Der mit dem Bau des Gemeindezentrums beauftragte Architekt Heinz Rall aus Stuttgart fügte der Kirche noch einen kleinen Sakralbau, die Kapelle an, die heute vorwiegend für meditative Formen der Andacht und für kleinere Gruppen genutzt wird (etwa für das monatliche „Abendgebet“). Die gleichen Gehwegplatten, die die Plätze und Wege des Gemeindezentrums miteinander verbinden, bilden auch den Boden im Innern der Kirche. So wird der Zusammenhang zwischen der gottesdienstlichen Konzentration auf das Wort Gottes und der Dienst an der Welt sichtbar.

Jeden Sonntag um 9.30 Uhr laden die drei Glocken der Gartenstadtkirche zur Feier des Gottesdienstes ein. Das Geläut besteht aus der Taufglocke mit 190 kg (mit der Inschrift „Gott loben ist unser Amt“), der Kreuzglocke mit 300 kg (mit der Inschrift „Dienet dem Herrn mit Freuden“) und der Betglocke mit 425 kg (und mit der Inschrift „Er ist unser Friede“).

In den Sommermonaten ist nachmittags die Kapelle als Raum der Stille und des Gebets geöffnet.